Sicherere Häfen, intelligentere Technologie: Einblicke aus der Branche aus Rotterdam

Experteneinblicke von der Veranstaltung „Breakbulk & Project Cargo Safety“ in Rotterdam, bei der die Herausforderungen und Technologien beleuchtet wurden, die zu einem sichereren Hafenbetrieb beitragen.

Im Juni 2026 nahm Tim Biddulph, Mitglied des Brigade Electronics-Produktmanagementteams, an der Veranstaltung "Breakbulk & Project Cargo Safety" in Rotterdam teil, einem der führenden Seehäfen Europas für Stückgut- und Projektladungstransporte. Wir haben uns mit ihm unterhalten, und er hat uns die wertvollen Informationen, die er gesammelt hat, sowie die neuesten Entwicklungen in der Branche vorgestellt.

Was sind die drängendsten Probleme, mit denen die Akteure im Bereich Stückgut und Projektladung konfrontiert sind?

Das größte Problem besteht darin, die Sicherheit der Menschen im Umfeld von fahrenden Fahrzeugen zu gewährleisten. Terminals für Stückgut und Projektladung sind nicht mit Containerhäfen vergleichbar, in denen man die Verkehrsströme standardisieren und in großem Maßstab automatisieren kann. Jeder Hubvorgang, jedes Ladungsstück und jeder Schiffsanlauf ist anders, und alle teilen sich den stark begrenzten Platz an Kai und auf dem Hof mit den Menschen vor Ort. Das ist wirklich gefährlich und lässt sich nur sehr schwer durch die Planung vermeiden.

An britischen Arbeitsplätzen ereignen sich insgesamt jedes Jahr mehr als 5.000 Verkehrsunfälle, wobei 37% der tödlichen Unfälle im Transport- und Lagerwesen dadurch verursacht werden, dass eine Person von einem fahrenden Fahrzeug erfasst wird. In der Schwerindustrie mit großen, langsam fahrenden Maschinen und erheblichen toten Winkeln führen diese Zahlen direkt zu konkreten Unfällen, deren Verhinderung den Terminalmanagern große Mühe bereitet.

Eine zweite große Herausforderung ist die schiere Vielfalt der von den Fahrern eingesetzten Geräte. In der Praxis bedeutet dies, dass der Umfang der eingebauten Sicherheitsausrüstung – von Kameras und Erkennungssysteme bis hin zu Alarmanlagen, von Fahrzeug zu Fahrzeug erheblich variiert – und manchmal sogar zwischen Fahrzeugen desselben Typs, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft wurden.

Auch hier kommt der gesamten Branche eine wichtige Rolle zu. Branchenverbände, Hafenbehörden und Handelsorganisationen sollten gemeinsam einen einheitlichen Sicherheitsstandard für alle in Hafengebieten eingesetzten Fahrzeuge fordern, ähnlich der Rolle, die CLOCS bei der Anhebung der Standards im Bausektor in Großbritannien und Australien gespielt hat. Ein einheitlicher Ansatz würde den Betreibern einen klareren Maßstab an die Hand geben, konsistentere Beschaffungsentscheidungen ermöglichen und dazu beitragen, die Sicherheitsanforderungen im gesamten Hafenumfeld anzuheben.

Das Wachstum der Branche selbst schafft neue Risiken. Der weltweite Markt für Stückguttransporte erreichte im Jahr 2024 ein Volumen von rund 19,7 Milliarden US-Dollar und wird voraussichtlich um etwa 5,21 TP46T pro Jahr wachsen, um bis 2033 31 Milliarden US-Dollar zu erreichen, was insbesondere auf Komponenten für erneuerbare Energien, Infrastruktur und die Schwerindustrie zurückzuführen ist. Mehr Transporte, spezialisiertere Ausrüstung und vielfältigere Ladungsarten bedeuten eine höhere Komplexität, die es sicher zu bewältigen gilt.

Inwiefern können die Geräte von Brigade dies unterstützen, und wo ist das Interesse am größten? Gibt es Wachstumsmärkte, die noch nicht auf dem Radar sind?

Das Portfolio von Brigade ist direkt auf das Risikoprofil eines Projektfracht- oder Stückgutterminals zugeschnitten. Unser Schwerpunkt liegt auf Fahrzeugen und Maschinen – also den Anlagen, die sich bewegen, rückwärts fahren, schwenken und heben –, denn genau dort konzentriert sich die Gefahr.

Unsere wichtigsten Sicherheitsprodukte, darunter 360-Grad-Kamerasysteme, Radar- und Ultraschallerkennung sowie „White Sound“-Rückfahrwarnsysteme, beseitigen tote Winkel und verbessern die Wahrnehmung von Fußgängern. White Sound ist besonders effektiv bei Nachtfahrten in der Nähe von Wohngebieten. Daneben gewinnt unsere Videotelematik-Plattform zunehmend an Bedeutung, da sie den Betreibern täglich Einblick in das Fahrverhalten, die Geschwindigkeit und die Aufmerksamkeit der Fahrer gewährt, sodass sie diese proaktiv anleiten können, anstatt erst nach einem Vorfall das Bildmaterial auszuwerten.

Das größte unmittelbare Interesse kommt von Hafen- und Terminalbetreibern in Europa und Großbritannien, die Projektladungen und Ro-Ro-Fracht abwickeln – in der Regel mittelgroße Unternehmen, die in ihre Anlagen investiert haben, sich nun aber darauf konzentrieren, den Sicherheitsstandard ihrer gesamten Fahrzeugflotten zu erhöhen. Sie wünschen sich ein System, das sich in ihre bestehenden Anlagen integrieren lässt und durchgängig einheitlich funktioniert.

Projektfracht im Bereich erneuerbare Energien ist ein wichtiger Wachstumsmarkt, der vor allem durch Windradflügel, Gondeln und Transformatoren angetrieben wird. Da weltweit immer mehr Häfen diese hochwertigen Ladungen umschlagen, kommen unsere Lösungen vor allem bei den Fahrzeugen zum Einsatz, die diese transportieren. Angesichts der sich beschleunigenden globalen Energiewende kann bereits die Verhinderung eines einzigen schwerwiegenden Vorfalls erhebliche wirtschaftliche Verluste verhindern.

Ein Backeye®360 AI, montiert auf einem Sattelzug, mit einem Frachtschiff im Hintergrund

Tim Biddulph, Leitender Produktmanager, Brigade Electronics

Ein Backeye®360 AI, montiert auf einem Sattelzug, mit einem Frachtschiff im Hintergrund

Inwiefern haben technologische Entwicklungen – wie KI und andere – zum Wachstum von Brigade beigetragen, und was steht als Nächstes an?

Künstliche Intelligenz hat die Leistungsfähigkeit unserer Produkte grundlegend verändert. Früher waren Kamerasysteme passiv: Der Fahrer sah, was sich hinter ihm befand, und musste darauf reagieren. Die KI-gestützte Videoanalyse ändert dies grundlegend. Unsere Systeme erkennen und identifizieren nun Personen und Objekte in Echtzeit und warnen den Fahrer vor einer Kollision, anstatt ihm lediglich ein Bild anzuzeigen.

Die Videotelematik ist unser am schnellsten wachsender Bereich, da sich der Markt von der einfachen Aufzeichnung hin zur KI-gestützten Sicherheitsanalyse verlagert. Die Nachfrage der Betreiber spiegelt diesen Wandel vom reaktiven zum proaktiven Sicherheitsmanagement wider – mit Echtzeit-Fahrerüberwachung, Coaching-Erkenntnissen und der Transparenz, die Sicherheitsmanager benötigen, um bereits vor dem Eintreten von Vorfällen handeln zu können. Dies ist besonders wertvoll für Fuhrparks, die verschiedene Fahrzeugtypen und -generationen einsetzen. Wir investieren massiv in diesen Bereich, und er wird in den nächsten 12 Monaten ein wesentlicher Wachstumsmotor für Brigade sein.

Mit Blick auf die Zukunft ist der Zusammenhang zwischen Elektrifizierung und Sicherheit ein Bereich, dem bislang noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bei der Umstellung von Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge wird eine wichtige sicherheitsrelevante Herausforderung oft übersehen: Elektrofahrzeuge sind wesentlich leiser, wodurch sie für Personen in der Umgebung schwerer wahrnehmbar sind. Dies erhöht den Bedarf an Lösungen wie „White Sound“-Alarmanlagen und 360-Grad-Sichtsystemen, was bedeutet, dass Diskussionen über umweltfreundlichere Fuhrparks Hand in Hand mit der Verbesserung der Fuhrparksicherheit gehen sollten.